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1. Bildungskongress des Buddy E.V.

Evaluation des Bildungskongress als PDF-Download

Schüler machen Schule: Erfolgsgeschichten einer schülerorientierten Lernkultur

Am 3. November lud der buddY E.V. in Düsseldorf zu seinem 1. Bildungskongress ein, den er mit Unterstützung der Vodafone Stiftung, dem Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW und der Landeshauptstadt Düsseldorf veranstaltete. Der Kongress kombinierte zentrale Fragen der aktuellen bildungspolitischen Diskussion mit konkreten Beispielen für wegweisende pädagogische Alternativen zum konventionellen Schulbetrieb.

Schon optisch war alles etwas anders, als man es von Bildungsdiskussionen gewohnt ist: Auf der Bühne und im Plenum mischten sich Erwachsene, Lehrer, Bildungsentscheider und die, über die entschieden wird: Schüler aus Deutschland und der Schweiz. Damit hatte der buddY E.V. die Plattform geschaffen, um über konkrete Formen neuen Lernens zu sprechen. „Schüler machen Schule. Erfolgsgeschichten einer schülerorientierten Lernkultur“ stand als Motto über dem Kongress, und das ist nicht nur eine Forderung für die Zukunft, sondern bereits gelebte Realität in vielen der über 800 Buddy-Schulen.

Raus aus der Bildungsmisere!

Die Präsidentin des buddY E.V., Prof. Dr. Rita Süssmuth, sagte in ihrer Ansprache: „Die Buddy-Schüler zeigen uns, wie es geht: Sie gestalten ihre Schule aktiv mit, setzen sich ein, übernehmen Verantwortung für sich selbst und ihren Bildungserfolg. Daraus können wir eines schon mal lernen: Schüler sind nicht das Problem der Bildungsmisere, sondern eine lebendige Quelle, die wir nutzen und fördern müssen. Sie können sich unmittelbar an der Schaffung einer ‚neuen Schule’ beteiligen.“

Die Bildungsmisere zu beklagen und nur über sie zu reden, mache keinen Sinn, vor allem müsse etwas getan werden, wie man aus ihr rauskomme, sagte Süssmuth. Darin waren sich mit ihr alle einig, die der Einladung des buddY E.V. zum Bildungskongress gefolgt waren. Über den Weg dahin bestand ebenso Einvernehmen: Er führt über eine veränderte Lernkultur, die individuelle Förderung, selbstgesteuertes Lernen, ganzheitliche Kompetenzentwicklung und selbstverantwortliche Schulentwicklung umfasst. Für diese Positionen standen alle Referenten, die der buddY E.V. nach Düsseldorf gebeten hatte.

Wie sich Schüler als Buddys engagieren, welche Vielfalt der Möglichkeiten es gibt und wie motivierend es ist, Verantwortung zu übernehmen, zeigte sich unter anderem am Beispiel der August-Claas-Schule aus Harsewinkel in Ostwestfalen-Lippe. Hier läuft der Unterricht nach der Maxime: „Schüler helfen Schülern“. So bringen sie sich im Musikunterricht gegenseitig das Spielen auf neuen Instrumenten bei und erschließen sich die Englische Sprache in Lerngruppen, statt im Frontalunterricht. Für lernschwächere Schüler gibt es das Lerntraining, bei dem die Schüler sich gegenseitig mit dem Unterrichtsstoff helfen. Und das sind nur drei von insgesamt rund neun Buddy-Projekten an der Schule.

Was Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen

Dass kompetenzorientiertes Lernen das pädagogische Mittel der Zukunft ist, machte Peter Fauser deutlich, Professor für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Universität Jena. Er verzahnte die Kriterien zukunftsrelevanter Kompetenzen mit den konkreten pädagogischen Leitlinien, wie sie im Buddy-Programm bereits umgesetzt werden. „Eine der wichtigsten Kompetenzen, die Jugendliche lernen müssen ist, intelligentes Wissen mit intelligentem Handeln zu verbinden“, sagte Fauser.

Ein weiterer wichtiger Gast des Bildungskongresses war Günther Winands, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW. In seiner Ansprache behandelte Winands unter anderem die Themen Gemeinnutz und Anerkennung: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft wieder mehr Gemeinnützigkeit. Für manche mag es werkwürdig klingen, aber: Gemeinnutz lebt auch vom Eigennutz. Beim Gemeinnützigen steigt das Selbstwertgefühl und natürlich macht sich Engagement auch immer gut im Lebenslauf. Gemeinnützigkeit kommt also auch demjenigen zugute, der sie ausübt. Leider ist jedoch die Anerkennungskultur für Gemeinnützigkeit in Deutschland noch nicht ausreichend. Daher hoffe ich, dass wir in NRW das Buddy-Projekt bald für alle Schulen anbieten können.“

Peter Fratton, Gründer der SBW-Lernhäuser in der Schweiz, berichtete, wie Schüler Verantwortung für ihre eigene Schule übernehmen, indem sie zu Lernpartnern und Lehrer zu Lernbegleitern werden, die Lernverträge und Lernziele miteinander vereinbaren. Fratton gründete 1980 das erste „Haus des Lernens“ in Romanhorn. Zwischenzeitlich gab es weltweit zahlreiche Schulgründungen. Alle Lernhäuser bestechen durch ihre Philosophie, die Leistungsanforderungen und den Erfolg. Schule und Lernen sind geprägt vom respektvollen Miteinander, von der gestalteten Lernumgebung, der Zielorientierung und klaren Leistungsanforderungen. Sein Konzept des Autonomen Lernens in der gestalteten Umgebung wird in den Häusern des Lernens angewendet vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung.

Lukas Gut und Gabriel Siegner, die sich am SBW-Lernhaus Romanshorn zu Mediamatikern ausbilden lassen, schilderten dieses neue Rollenverständnis aus der Praxis heraus: „Besonders mag ich, dass das Lernen bei uns locker ist – ohne Zwang“, sagte Gabriel Siegner. „Natürlich wissen wir, dass wir Wissen brauchen, um später einen Job zu bekommen. Aber mit dem nötigen Engagement geht das problemlos.“ Und Lukas Gut bestätigt: „Programmieren macht keinen Spaß, habe ich für meine Ausbildung aber natürlich lernen ‚müssen’, sehe aber auch den Sinn darin – schließlich brauche ich diese Kenntnisse später. Angeeignet habe ich sie mir selbst, quasi ‚Learning by doing’ und im Austausch mit anderen Lernpartnern.“

Keine Utopie – Realität!

Wem das zuvor Gehörte utopisch vorkam, der konnte sich überzeugen lassen von den Erfolgsgeschichten aus Schulen, die mit und ohne Buddy-Programm längst die schülerorientierte Schulkultur praktizieren. Die Schüler des Wilhelm-Busch-Gymnasiums (einer Buddy-Schule in Niedersachsen) beeindruckten damit, wie sie selbst ihre Schule gestalten und Einfluss auf das Schulleben nehmen. In Eigenregie gestalten sie eine Cafeteria und sind über eine starke SV in die demokratischen Strukturen ihrer Schule eingebunden. Der Lehrer Uwe Brecher von der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden stellte das Prinzip vor, nach dem die Schule arbeitet, an der er unterrichtet: „Partizipation, Selbstständigkeit und Verantwortung – mit Kopf, Herz und Hand: Das ist das andere Lernen an unserer Schule. Für uns steht die Wertschätzung jedes Einzelnen und seiner Leistung im Mittelpunkt. Wir verstehen den Klassenraum als Zuhause und leben Schule ganzheitlich durch fächerübergreifende Projekte.“

Anschließend diskutierten Peter Fratton, Peter Daschner, Direktor des  Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Rolf Kessler, Pädagogischer Leiter des Bildungsbüros Düsseldorf, Frederic Rupprecht, Landesvorsitzender der SchülerInnenkammer Hamburg und Peter Fauser in einer Podiumsdiskussion welche Bedingungen es braucht, damit Schüler tatsächlich Schule machen können. Einig waren sie sich vor allem in dem Aspekt, dass Schule ein Lebensraum und demokratisch sein muss – vor allem also nicht demütigen darf. Hier sei wieder mehr Respekt vor den Schülern gefragt, denn das ist schließlich ihr Grundrecht, das leider oft ins Vergessen gerate.

So sollte Schule sein: Demokratisch, nah dran an den Schülerwünschen und Bedürfnissen zu sein, ist ein Buddy-Prinzip, das sich auch auf dem Bildungskongress wiederfand. So formulierten zwei Vertreter des Düsseldorfer Jugendrats ihre Wünsche für eine gute Schule: „Wir fordern eine Verbesserung von Schule in Hinblick auf Räumlichkeiten, Unterricht, Lehrer und Projektarbeit. Unsere Schulen müssen besser ausgestattet und modernisiert werden, wir brauchen Aufenthaltsräume, funktionierende Heizungen und auch saubere Toiletten. Der Unterreicht muss interaktiver werden, zum Beispiel durch Gruppenarbeit statt Frontalunterricht und soll sich am Alltag orientieren. Es ist wichtig, den Lehrerberuf attraktiver zu machen und hier ein Leistungsprinzip einzuführen – gleichzeitig aber auch an Schulen mehr Aktivitäten schaffen, die die zwischenmenschliche Beziehung von Lehrern und Schülern fördern. Zu guter Letzt brauchen wir eine vernünftige Vorbereitung für das Leben nach der Schule: Es muss mehr Projekte geben, die uns auf das Berufsleben vorbereiten. Und Schule muss Angebote machen, die dem Prinzip ‚Spiel, Sport und Spannung’ folgen.“

Markt der Möglichkeiten

Praktisch und nachvollziehbar sollten die Thesen und Beispiele des Buddy-Bildungskongresses sein und zur Nachahmung motivieren. Für Erfahrungsaustausch und vertiefende Informationen hatte der buddY E.V.  einen „Markt der Möglichkeiten“ eingerichtet, der zwischen den Vorträgen Gelegenheit zum Gespräch auch im kleinen Kreis gab. Viele interessante Gespräche fanden zwischen Kongressteilnehmern und Mitarbeitern des buddY E.V. am Infostand statt:

„An unseren Buddy-Stand kamen sehr interessierte Menschen, die sich vorwiegend über die Struktur und die Frage ‚Wie komme ich an das Buddy-Projekt?’ informierten“, berichtet Jörg Lehmann, Bildungsreferent des buddY E.V. Hinsichtlich der Veranstaltung gab es überwiegend positive Resonanz. Die gute Mischung der Inhalte wurde genauso gelobt, wie die Fachlichkeit der Referenten und die Authentizität der dargestellten Beispiele. Sein persönliches Resümee: „Die Veranstaltung hat mich berührt. Die Podiumsdiskussion gehörte für mich ebenso zu den Highlights wie die Präsentation von Peter Fratton und Uwe Brecher. Der Kongress zeigt deutlich, dass ‚Schüler machen Schule’ ein gewichtiges Thema ist, an das sich der buddY E.V. mit großem Erfolg herangetraut hat. Die Teilnehmer waren bewegt von den gezeigten ‚Geschichten des guten Gelingens’ und diskutierten in den Pausen und an unserem Stand die behandelten Themen.“

Buddy-Programm ist ein „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“
Der Bildungskongress bildete gleichzeitig den Rahmen für die Auszeichnung des Buddy-Programms mit dem Titel  „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“. Diese Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler und wird herausragenden Ideen verliehen, die durch Kreativität, Know-how und Leidenschaft überzeugen. Das Buddy-Programm sei aus mehr als 2000 eingereichten Bewerbungen ausgewählt worden, weil es zur Stärkung des Bildungsstandorts Deutschland beitrage, erläuterte Stefan Märkl von der Deutschen Bank Düsseldorf die Entscheidung bei der Überreichung der Ehrenkunde am 3. November. Die Deutsche Bank lobt die Auszeichnung zusammen mit der Standortinitiative Land der Ideen seit vier Jahren aus. Für den buddY E.V. nahm Vorstandspräsidentin Frau Professor Rita Süssmuth den Titel entgegen. Sie dankte den Initiatoren und sagte: „Mit diesem Titel ausgezeichnet zu werden, bestärkt uns in unserer Arbeit für eine neue Schulkultur. Die Auszeichnung zeigt, dass wir mit dem Buddy-Programm in die richtige Richtung denken.“

Fotos vom Kongress finden Sie hier

buddYE.V.

das Buddy-Programm

Hausaufgaben_BuddysDas buddY-Programm ist ein Programm zum Erwerb sozialer Handlungskom- petenzen, das an Schulen umgesetzt wird. Es führt dazu, dass Schüler Verantwortung für sich und andere übernehmen. mehr

­Hauptförderer

Hauptförderer: Vodafone Stiftung


Die Vodafone Stiftung Deutschland hat das buddY-Programm 1999 ins Leben gerufen und ist seitdem Hauptförderer. Mehr zur Vodafone Stiftung Deutschland und den Motiven für ihr Engagement erfahren Sie hier.mehr

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